Initiativen aus der Region

Wirtschaft

Noch niemand hat bisher eine auf Dauer funktionierende Alternative zur Marktwirtschaft in die Praxis umgesetzt. Dass der Kapitalismus allerdings gravierende Fehlentwicklungen hervorbringt, bestreitet kaum jemand: Armut für zu viele statt Reichtum für alle, Profite mit unnützen und schädlichen Produkten, Raubbau an Ressourcen, unmenschliche Arbeitsbedingungen…

Ein Schritt auf dem Weg zu einer gerechteren, sinnvolleren Wirtschaftsweise wäre ein Wohlstandsbegriff, der Aspekte wie ökologischen Fußabdruck, soziale Effekte und Wohlbefinden einbezieht. Unter dem Begriff „Gemeinwohl-Ökonomie“ werden Modelle zusammengefasst, die auf eine solche Neuorientierung der Wirtschaft zielen. Bei Rudolf Steiner findet sich die Idee, Arbeit und Einkommen zu trennen, um ein gerechteres Wirtschaftssystem zu schaffen. Viele verstehen das Konzept des Bedingungslosen Grundeinkommens als Umsetzung dieses Gedankens.

In der Region:
Gemeinwohl-Ökonomie Rhein-Main, rheinmain.gwoe.net
Initiativgruppe bedingungsloses Grundeinkommen Rhein-Main, bgerheinmain.blogspot.de


Geld

Eigentlich soll Geld ein Hilfsmittel sein, um Waren und Leistungen zu verrechnen. Doch die Finanzmärkte haben sich längst verselbstständigt, kaum durchschaubare Spekulationsinstrumente hervorgebracht, globale Geldströme, die ganze Länder in den Abgrund reißen können, und zum Beispiel Wetten auf Nahrungsmittelpreise und damit auf den Hunger der Menschen.

Wer sein Geld diesem System nicht zur Verfügung stellen möchte, kann Geldanlagen finden, die besonders umweltschädliche Firmen oder beispielsweise Investitionen in Tabak- und Rüstungsindustrie meiden. Nicht nur Geldinstitute wie die anthroposophisch inspirierten Banken GLS und Triodos haben sich ethisches und ökologisches Handeln zum Prinzip gemacht. Noch weiter gehen Regiogeld-Initiativen: Solche regionalen Währungen sollen die Wertschöpfung in der Region halten.

In der Region:
GLS Bank, Mainzer Landstraße 47, Frankfurt; Triodos, Mainzer Landstraße 211, Frankfurt;
Regionalgeld plant Transition Town Frankfurt: transition-town-frankfurt.de


Abfall

Plastik ist haltbar, das macht es so praktisch, führt aber dazu, dass immer mehr davon in den Meeren schwimmt und in die Nahrungskette gelangt. Die Produktion setzt giftige und klimaschädliche Gase frei, viele Plastikarten enthalten ungesunde Stoffe wie Weichmacher. Trotzdem kommt selbst die Bio-Gurke meist im Folienkondom in den Laden – wo soll sonst das Bio-Siegel hin?

Alternativen sind besser abbaubare Kunststoffe. Es geht auch ganz ohne Verpackung: Manche Bio-Gurke trägt neuerdings das Siegel als Tattoo. In Unverpackt-Läden gibt es Mehl und Müsli, Kaffee und Spülmittel aus dem Spender zum Abfüllen in das wiederverwendbare eigene Gefäß. Auch die „Fruchtbare Erde“, der Laden im hof hat viele Produkte ohne Plastikhülle. Allein durch Einwegbecher, etwa für den Kaffee unterwegs, entstehen nach Schätzungen in Deutschland jährlich rund 40.000 Tonnen Müll. In Becherbonus-Läden gibt es den Kaffee günstiger, wenn Kunden die eigene Tasse mitbringen.

In der Region:
gramm.genau, Lieferdienst mit Lastenrädern in Frankfurt, shop.grammgenau.de;
Bio-Unverpackt, Laden in Wiesbaden, Dotzheimer Straße 19, bio-unverpackt.com;
„Fruchtbare Erde“, Alt-Niederursel 51 in Frankfurt;
Becherbonus in Hessen: hessen-nachhaltig.de/de/becherbonus.html


Lebensmittel-Verschwendung

Ein Drittel der Lebensmittel in Deutschland wird weggeworfen. All die Arbeit und Energie, die Rohstoffe, das Wasser, Düngemittel und Pestizide, die in die Produktion geflossen sind: für die Katz. Vieles davon wäre noch essbar, ist aber über das Mindesthaltbarkeitsdatum hinaus oder entspricht ästhetisch nicht der Norm. Das Thema ist immerhin in Mode, Firmen verdienen neuerdings damit Geld, „gerettete“ Lebensmittel per DHL zum Versandkunden zu kutschieren, Apps für das Smartphone weisen den Weg zu Restaurants, die Reste günstig abgeben. Nicht alle diese Angebote sind wirklich nachhaltig.

Im eigenen Haushalt hilft es, bewusster (also weniger) einzukaufen und achtsamer mit Resten umzugehen. Ein radikaler Weg ist das „Containern“: Kochen mit Resten aus dem Supermarkt-Müll.Aber Achtung: Der Abfall gehört dem Supermarkt, wer ihn sich holt, begeht Diebstahl. Also lieber an Resteküchen und andere Initiativen halten.

In der Region:
ShoutOutLoud (Resteküche, Catering und Foodtruck), shoutoutloud.eu


Energie

Die Erderhitzung mit ihren katastrophalen Folgen aufzuhalten, ist eine Herkulesaufgabe, die von der Politik über die Wirtschaft bis zu jedem und jeder einzelnen alle gemeinsam anpacken müssen. Der Umstieg auf Ökostrom und auf Verkehrsmittel, die weniger Klimagase ausstoßen (zum Beispiel das Fahrrad), der Verzicht auf Energiefresser im Haushalt, sorgsamer Umgang mit Wärme im eigenen Haus oder der Mietwohnung: Vieles gehört dazu.

Wer Ökostrom nicht nur beziehen, sondern auch daran verdienen und mitreden will, kann Mitglied in einer Energiegenossenschaft werden. Und auf vielen Dächern ist noch Platz für die Gewinnung von Sonnenenergie. Ob sich das rechnet, verrät das Solarkataster.

In der Region:
BürgerEnergieRheinMain e. G., bermeg.de;
Solarkataster Hessen, energieland.hessen.de/solar-kataster


Gemeinschaft

Eine bedrohliche Entwicklung, die erst in den letzten paar Jahren ihr hässliches Gesicht deutlich zeigt, ist die Spaltung der Gesellschaft: Begünstigt durch die so genannten Sozialen Medien leben Menschen in virtuellen Gemeinschaften mit Gleichgesinnten, nehmen die Welt durch diesen Filter wahr und überschütten Andersdenkende mit Hass und Hohn.

Am deutlichsten wird das im Themenfeld Migration und Flucht, wenn schon lange in Deutschland Lebende die in jüngster Zeit Gekommenen nicht als Menschen wahrnehmen, die Hilfe brauchen, sondern als Bedrohung. Die Spirale aus Vorurteil und Hass lässt sich nur stoppen, wenn die Filterblase platzt, die Echokammer durchstoßen wird durch die Begegnung mit Andersdenkenden und mit realen Menschen statt mit den Klischees im Netz. Viele Initiativen stellen solche Begegnungen her.

In der Region:
Bei „Bridges – Musik verbindet“ spielen einheimische und nach Deutschland geflüchtete Musikerinnen und Musiker zusammen: bridges-musikverbindet.de;
Viele weitere Initiativen auf den Seiten des Hessischen Flüchtlingsrates: fluechtlingsrat-hessen.de